Fazit zu Australien

Wer unseren Blog verfolgt weiss, dass Australien für uns nicht Liebe auf den ersten Blick war. Ist uns der Lebensstil zu westlich? Sind es zu lange Distanzen wo einfach nichts passiert? Wird die Landschaft irgendwann eintönig? Ist Australien mittlerweile zu viel auf den Tourismus ausgelegt?

Warum und wieso ist manchmal schwierig in Worte zu fassen aber der Funke ist bei uns einfach nicht rüber gesprungen. 

Ein Grund dafür ist sicher auch, dass nie so ein richtiger Flow in unser Abenteuer kam. Das kennt jeder. Wenn einfach alles super passt, du zur richtigen Zeit am richtigen Ort bist und alles einfach.... läuft. Wenn's läuft, dann läuft's.

Da machte uns unser kleines Monster, unser Delica, immer mal wieder einen Strich durch die Rechnung. Wobei das Auto eigentlich in einem sehr guten Zustand ist, hatten wir einige Male einfach nur Pech. Die Klimaanlage, die ein normaler Service brauchte und uns zugleich ein Strafzettel für "nicht angeschnallt" einbrachte. Zwei Mal hatten wir einen Plattfuss. Als wir zurück von Thailand kamen war die Benzinpumpe fällig und es wäre nicht unser Australien, wenn plötzlich das verkaufte Auto (dazu später mehr) kurz vor der Übergabe nicht mehr rund läuft. Nochmals Benzinpumpe und Benzinfilter! Wir haben irgendwo im Norden dreckiger Diesel getankt, der die Pumpe völlig verstopft hat. 

Nach vier Monaten Australien ziehen wir ein Fazit und fassen zusammen:

Unser Auto

Wir haben mehrere Modelle vorab überprüft. Es kristallisierte sich bald mal heraus, dass es ein Mitsubishi Delica werden soll. Für uns ein super Mix zwischen 4x4 und Camper. So sehr wir unseren Delica lieben und unglaublich viel Herzblut in den Umbau gesteckt haben, wir würden das nächste Mal ein paar Sachen anders machen. Den Innenausbau hauptsächlich auf Stauraum und Küche beschränken sowie gute Sitzmöglichkeiten für schlechtes Wetter. Schlafen würden wir dann in einem Dachzelt. Da gibt es mittlerweile so viele gute Ausführungen. ABER einmal Delica immer Delica. Das steht fest.

Die Strassen

Wir wollten unbedingt den Westen von Australien bereisen. Auch, weil hier noch viel naturbelassen und weniger touristisch sein soll. Wir denken in den letzten Jahren hat sich hier einiges getan. Die grossen und bekannten Nationalparks sind (fast) alle ohne 4x4 zugänglich. Einzig im Francoise Peron Nationalpark mit ausschliesslich Sandpisten und im Edel Land National Park war auf unserer Route zwingend ein 4x4 Fahrzeug notwendig. Ansonsten sind im Park immer wieder geteerte Strassen oder dann halt die ungemütlichen Wellblechpisten anzutreffen. Sogar der Karijini Nationalpark ist ohne 4x4 zugänglich. Wir wissen nicht wie das vor ein paar Jahren war, aber die 13 Kilometer harte Wellblechpiste im Karijini werden von Fahrzeugen ohne Allradantrieb zurückgelegt und hat unserer Meinung nach auch nicht die Notwendigkeit eines 4x4 Fahrzeuges. Die einzige Strasse im Karijini, die 4x4 erfordert ist eine Verbindungsstrasse, die mit einem Umweg über die normale Teerstrasse gut umgangen werden kann. Wer also die bekannten Sehenswürdigkeiten von Western Australia ansteuert und weniger Zeit für Abstecher hat ist unserer Meinung nach mit einem normalen Fahrzeug gut bedient und kommt erst noch billiger davon.

Wellblechpiste im Karijini National Park
Wellblechpiste im Karijini National Park

4WD Pisten

Wir haben uns ein 4x4 Fahrzeug gekauft, weil wir auch über Stock und Stein und durch Wasser fahren wollten. Man findet dies definitiv im Westen Australiens, man muss nur mehr ins Landesinnere und ab von den touristischen Routen. Mit der Wasserdurchquerung hatten wir zu Beginn so unsere Mühe, hat dann doch noch funktioniert wie man auf den Bildern sieht. ;-)

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Der Verkehr

Dazu holen wir ein bisschen aus, um die Dimensionen in Australien besser rüber zu bringen. Western Australia hat eine Bevölkerung von 2.7 Millionen Einwohner (etwas weniger als ein Drittel der Schweizer Bevölkerung). Das auf einer Fläche von 2'529'875km2, 61 Mal so gross wie die Schweiz. Die Stadt Perth und Umgebung verzeichnet davon 1.7 Millionen Einwohner für sich. Von den restlichen 1 Millionen Einwohner befindet sich nochmals der grösste Teil im Südwesten von Western Australia. Das heisst, wenn man nicht gerade in Perth rumkurvt und eher Richtung Norden fährt kann man sich auf der Strasse teils schon ziemlich einsam fühlen. Da ist jeder Verkehr eine gelungene Abwechslung. ;-)

Und dann gibt es immer wieder mal den Gegenverkehr, wo du einfach kein Platz mehr daneben hast und nett gebeten wirst links ranzufahren. Diese Over Size Fahrzeuge werden von Begleitfahrzeugen angeführt, die den Gegenverkehr regeln.

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Nützliche Apps, Navigation

Das liebe Handy. Tatsächlich hatten wir aber auch noch einen Atlas als Buch zur Hand, der immer wieder gezückt wurde und sehr hilfreich war. Aber um Distanzen und die benötigte Zeit zu berechnen war halt das Handy mit den Apps maps.me oder google.maps einfacher und schneller. Und natürlich offline ohne weiteres zu gebrauchen.

Um unsere Schlafplätze zu finden, eine öffentliche Dusche oder Wäschereien zu suchen waren die Apps CamperMate und WikiCamps unsere treuen Begleiter. Da hier jedoch jeder App-Nutzer einen neuen Spot hinzufügen kann empfehlen wir unbedingt immer die Reviews dazu zu lesen. Da ist schon mal ein Fähnchen falsch gesetzt oder die Duschen geschlossen oder der Stellplatz kein Stellplatz mehr etc. 

Tanken in Australien ist so eine Sache. Am besten an jeder Tankstelle die du siehst tanken. Es könnte für lange Zeit die letzte sein. Doch manchmal macht es echt Sinn die nächste Tankstelle abzuwarten, WENN noch genügend Sprit im Tank ist um den besseren Preis zu haben. Dazu haben wir immer das App Fuel Map Australia genutzt. Das zeigt dir die Standorte aller Tankstellen sowie die aktuellen Benzin-/Diesel-Preise an. Wir waren erstaunt über die Richtigkeit der Preisangaben und konnten so einige Dollar sparen.

Ein Währungs-App ist auf Reisen auch immer hilfreich. Wir nutzen dazu das App MyWährung. Mit der Zeit hat man die gerade aktuelle Währung im Griff, aber wenn man dann mit anderen Reisenden spricht und die verschiedenen Währungen miteinander vergleichen will... Da haben wir schon längst aufgegeben und fragen MyWährung.

Reiseinfos

Wir hatten einen Reiseführer von Dumont als Buch mit dabei. Ist halt immer noch das beste Feeling ein richtiges Buch in den Finger zu halten. Aber im Internet findet man so viele Infos, da erübrigt sich ein physischer Reiseführer eigentlich. Am besten sind wir damit gefahren in den Visitor Center, die eigentlich in jedem Städtchen vorhanden sind, uns über die Gegend zu informieren und mit Broschüren und Flyer zu bewaffnen oder haben uns direkt bei den Mitarbeitern informiert.

Visitor Center in Newman
Visitor Center in Newman

Essen

Es gibt in Australien zwei grosse Supermarktketten namens Coles und Woolworths. Beide vergleichbar mit Migros und Coop in der Schweiz. Entweder bist du der Migros-Gänger oder Coop-Gänger. Genau gleich ergeht es uns hier mit diesen beiden Ketten. Wenn die Auswahl besteht bevorzugen wir Coles. Weiter gibt es in den grösseren Städten auch Aldi anzutreffen. Australien ist nicht billig. Einige Produkte sind teurer und andere billiger als in der Schweiz. Gerade Frischwaren wie Gemüse und Früchte empfanden wir als teuer, dafür Milch und Fleisch war okay. Wir sind oftmals durch den Supermarkt gelaufen und haben unsere Menus nach Aktionen zusammengestellt. Gerade bei Salat und Fleisch hatten wir so teils bis zu 50% Rabatt, wenn das Verfallsdatum in den nächsten zwei Tagen war. Auch auf den Farms kann man günstiger Gemüse und Früchte kaufen. Immer in guter Erinnerung unsere Avocados für AUD 10 Dollar.

Zum Campen gehört abends auch schon mal ein Bier oder ein Glas Wein. Der Preis für Wein ist ganz okay. Wie überall bekommst du billigen guten Wein oder die teuren Flaschen. Aber das Bier... oh je oh je! Wenn du nicht gerade ein 24er-Pack oder 30er-Pack kaufst, und noch dann sind es stolze Preise, bist du einen grossen Batzen an Geld los. Eine 330ml Dose Bier kostet im Laden, NICHT in der Bar, locker AUD 3.50 (CHF 2.45) und dann bist du in der Abteilung "billiges Bier".

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Nationalparks

In Western Australia gibt es etliche Nationalparks. Da man eh für jeden Nationalpark Eintritt bezahlen muss lohnt sich der Holiday Pass für AUD 46 (gültig vier Wochen) oder der Jahrespass für AUD 92 auf jeden Fall. Einzeleintritt pro Park und Tag sind nämlich AUD 13 pro Fahrzeug. Campen im Park kostet nochmals extra. Üblich sind da AUD 11 pro Person.

Tiere

Bevor wir nach Australien reisten haben uns viele gesagt, dass wir die Tiere, besonders Kängurus, hauptsächlich tot am Strassenrand sehen werden. Im Südwesten Australiens waren wir erstaunt wie viele Kängurus wir glücklicherweise lebend gesehen haben. Richtung Norden nahm die Zahl der lebenden leider ab, immer noch ab und zu eins gesichtet, aber die Zahl der toten Kängurus nahm leider deutlich zu. Auch tote Kühe waren keine Seltenheit. Gerade die Trucks, die auch nachts unterwegs sind, werden hier einen grossen Beitrag dazu haben. Wir hatten zum Glück keine wirklichen Unfälle mit Tieren. Einmal flog uns ein Schwarm Vögel vor das Auto. Da hat es uns zwei unter dem Roofrack eingeklemmt. Einer konnte sich durch den Fahrtwind und dem Bremsweg befreien, der andere steckte leider immer noch fest nachdem wir angehalten sind. Wir konnten ihn befreien und er ist nach dem ersten Schock davongeflogen. Hoffen er hat es gut überstanden. SORRY, glücklicherweise keine spannendere Geschichte dazu auf Lager. ;-)

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Schlussfazit Australien

Australien hat Dimensionen das kann man sich nicht vorstellen wenn man es nicht selber gesehen hat. Ohne es zu wollen brettert man hier Kilometer auf den Zähler weil es anders einfach nicht geht. Weil dazwischen einfach nichts kommt. Die rote Landschaft und nachts die klaren Sternenhimmel sind der Wahnsinn und für uns nirgends so intensiv wie hier. Die Landschaften sind superschön wenn auch teils weniger abwechslungsreich. Die Buschfliegen waren immer noch eine Plage aber man weiss sich zu helfen und muss es einfach akzeptieren. Ein 4x4 Fahrzeug sollte nur dann gewählt werden, wenn man genügend Zeit hat und abseits der Touristenpfade reisen will. Ansonsten ist ein 4x4 Fahrzeug auch im Westen Australiens nicht mehr notwendig.

Als Weltenbummler ist uns das Land einfach zu teuer. Für uns Schweizer ohne das Work & Travel Visa (mal abgesehen davon, dass wir eh schon zu alt dafür sind) sind die Ausgaben hart. Uns gibt das Land dann doch zu wenig, um die Kosten für uns zu rechtfertigen.

 

Wie bereits zu Beginn angetönt ist unser Auto verkauft und wir schon bald wieder im Flieger. Ende Juni haben wir beschlossen, dass das Abenteuer Australien für uns kein Jahr halten wird. Wir waren beide entschlossen den Verkauf unseres geliebten Delicas zu starten in der Hoffnung, so in zwei Monaten spätestens einen Käufer gefunden zu haben und Australien verlassen zu können. Aus zwei Monaten wurden fünf Tage und der Käufer war gefunden. So wurde unsere Route gekürzt und wir sind nach dem Karijini National Park wieder Richtung Süden gefahren. Die letzten Tage verbrachten wir in der Region Perth und haben unsere Delica-Freunde nochmals getroffen. Tolle Tage mit Konvoifahren, alberne Funksprüche, VR-Gaming und einfach ein gemütliches Beisammensein wo man die Zeit vergisst. Wehmütig verbringen wir nun die letzten Stunden in unserem Delica, bis wir ihn morgen an die Käufer übergeben werden und es an den Flughafen geht.

Hier noch ein paar Schnappschüsse aus unserem Campingleben in Australien:

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